Jakobsweg-Tour 2018 Tagebuch

Tag 1: Start der Jakobsweg-Tour 2018

Am Freitag, dem 20.07.18 ging es endlich los. Die Jakobsweg-Tour 2018 startete nach langer Vorbereitung vom Pfarrheim Liebfrauen. Am frühen Abend fuhren das Team und die TeilnehmerInnen mit einem Bulli und einem Auto los

In der Altstadt von Pamplona

Richtung Pamplona. Auf der Nachtfahrt gab es keine besonderen Vorkommnisse und die Pilgergruppe kam nur bei Bordeaux in stockenen Verkehr. Müde aber glücklich erreichten die Pilger Pamplona am Nachmittag und erkundeten sogleich die historische Altstadt. Am Sonntag beginnt dann die erste Tour nach Puente La Reina.

Blick von der mittelalterlichen Zitadelle auf die Berge von Navarra

Tag 2: Zizur Menor – Puente la Reina

Die Pilgergruppe absolvierte heute am 22.7. ihr erstes Wegstück auf dem Jakobsweg (Camino) von Zizur Menor (kurz hinter Pamplona) nach Puente La Reina. Im frühen Morgen passierte sie einen noch mit Nebel belegten See und stieg anschließend einen Berg mit einem Meer an Sonnenblumen am Wegrand hinauf. Gegen Mittag kam die Gruppe zufrieden in Puente la Reina an. Die übrigen Kräfte wurden genutzt, um den Ort zu erkunden. Danach genossen die müden Pilger ihre wohlverdiente Siesta.

Morgenstimmung am Camino

Die Jakobsmuschel ist das Wegzeichen des Camino
Über den Alto del Perdón mit Pilgerskulpturen
Nach Puente La Reina (Königsbrücke)
Mittelalterliche Brücke über den Arga

Tag 3: Puente La Reina – Kloster Santa María la Real de Irache

In Puente la Reina an startete die zweite Tour im Morgengrauen. Zu Beginn überquerte die Gruppe die mittelalterliche Brücke, über die schon der heilige Franziskus gelaufen ist, noch voller elan. Doch der Tag entpuppte sich als hart. Die Strecke ging immer wieder steil bergauf und bergab während die Sonne brannte. So erreichten nicht alle das Kloster zu Fuß. Belohnt wurden die Pilger mit dem legendären Irache Wein – aus einem Brunnen dürfen sie sich Wein als Stärkung für den Camino zapfen.
Doch die Reise ging anschließend weiter. Müde in die Autos verfrachtet führte die Straße 415 km durch das spanische Hochland nach Villafranca del Bierzo auf einen Campingplatz. Um 20 Uhr mussten also noch Zelte aufgebaut werden, geduscht und gegessen werden. Tot müde ging es dann mit vielen Mücken als Zeltgenossen in den Schlafsack.

Mit einem frühen Aufbruch nutzen Pilger die niedrigeren Temperaturen am Morgen
Neben der Rioja ist auch die Region Navarra für Weinbau bekannt
Immer wieder schlängelt sich der Camino durch die Hügellandschaft
Wegstein mit Jakobsmuscheln weist den Pilgern den Weg zum Grab des Hl. Jakobus, eines der Jünger Jesu
Immer wieder führt der Camino über Brücken, deren Ursprünge zum Teil in der Römerzeit liegen
Die am Camino gelegene Stadt Estrella trägt den inoffiziellen Beinamen „la bella“ – für ihre schöne Architektur aus verschiedenen Epochen
Estrella la Bella

Tag 4: Villafranca del Bierzo – O Cebreiro

Die Prüfungen für die Pilgergruppe werden nicht einfacher. Die Strecke, bei der 850 m Höhenunterschied überwunden werden mussten, zählt zu den anspruchsvollsten Touren des gesamten Weges. Die Pilger waren sehr glücklich, auf 1250 m angekommen zusein und wurden mit einer phänomenalen Aussicht belohnt. Aufgrund der Strapazen gibt es heute auch ein richtiges Bett in einem großen Schlafsaal in einer traditionellen Pilgerherberge. Ein bisschen bedauert die Gruppe, nicht mehr in der Region Navarra zu sein, sondern Rioja und Kastillien übersprungen zu haben und dier 430 km bis Galizien im Auto zurückgelegt zu haben. In Navarra war die Gruppe nämlich schon als „die Deutschen“ bekannt. Die Pilger tun aber ihr möglichstes, diesen Ruf und das damit verbundene Lächeln wieder zu erlangen. Morgen geht es dann an den Abstieg.

Alter Grenzstein: angekommen in Galizien

Eine letzte Bachquerung im Tal, bevor …
… der Camino …
… richtig Steigung annimmt.
Dafür belohnt der Gipfel mit seiner Aussicht weit in die Galizische Landschaft hinein.

Tag 5: O Cebreiro – Triacastela

Am heutigen Tag ging es den mühevoll bestiegenen Berg wieder hinunter. Auf 1250 Metern wusste die Gruppe am frühen Morgen nicht, ob es eine Wolke, Nebel oder ein Angriff der Dementoren (aus Harry Potter) ist. Zum Glück stehen die Pilger unter dem Schutz des Heiligen Jakobus und so ging es gefahrlos an den Abstieg. Immer wieder führte der Camino durch Nebel, Wolken und Sonne ins bedeckte Tal von Triacastela. Blasenpflaster für wunde Füße werden mittlerweile zur heißen Ware. Die galizische Landschaft beeindruckt die Pilgergemeinsschaft trotz der Strapazen und der Müdigkeit sehr.

Die Herberge auf 1250m Höhe gehüllt in „Dementoren-Nebel“

Lichtspiele am Morgen
Ankunft im Tal – Erleichterung macht sich breit …
… denn die Recklinghäuser Pilger haben das herausforderndste Stück des Jakobswegs in Spanien erfolgreich gemeistert.
Ein wenig Ruhe und Erholgung: Das Tal von Triacastela in der Mittagssonne

Tag 6: Triacastela – Sarria

Am heutigen Tag gab es eine Premiere: die Regencaps mussten herausgeholt werden. Der erste Regen! Das trübte die Stimmung aber nicht, da die Strecke mit ihrem ausgewogenen Profil und ihren urwald-ähnlichen Abschnitten einiges zu bieten hatte. In Sarria erwartete die Pilgergruppe der obligatorische Empfang: mit Keksen und Fanta auf dem Campingplatz. Dabei muss immer auf die ortsansässige Katze geachtet werden, die gerne etwas abhaben wollte. Mit dem heutigen Abschnitt feiert die Pilgergruppe das Bergfest ihrer Laufetappen: die Hälfte ist geschafft! Puh.

Brausende Wasser am Wegesrand

Das Kloster von Samoas: eines der ältesten Klöster Europas
Typisch galizische Häuser am Camino

Tag 7: Sarria – Portomarin

Mit dem allmorgigen Ritual um 5.00 Uhr in der Frühe ging es los. Sachen packen, Zelte abbauen, Steh-Frühstück und Proviant bereitstellen. Danach ging es durch die Altstadt von Sarria nach Portomarin. Die Strecke zeigte die ganze Schönheit Galiziens – aber auch das typisch wechselhafte Wetter. Ein Highlight war natürlich der Grenzstein zu den letzten 100 km bis zum Ziel des Camino: Santiago de Compostela mit dem Grab des Heiligen Jakobus, einer der Freunde Jesu.

Aufstieg zur Altstadt von Sarria

Die Frühstücksdecke der Pilger
Sarria im Morgenlicht
Der Wegstein – ab hier sind es noch genau 100 km bis Santiago de Compostela
Portomarin – die Etappe des Tages ist geschafft
Treppenaufgang Puente nuovo in Portomarin
Rathaus unter Wolken

Tag 8: Portomarin – Palas de Rei

Am Samstag führte der Camino für die Pilgergruppe aus Recklinghausen von Portomarin nach Palas de Rei. Das Zeltlager lag etwa einen Kilometer abseits des Dorfes, durch den der Camino führt. So wurde die Gruppe per Bully zum Jakobswerg gebracht. Der Weg war recht unspektakulär, aber das galizische Wetter zeigte sich von seiner „besten“ Seite: morgens und am frühen Abend kalt, zwischendurch regnerisch und nachmittags sehr heiß und sonnig. In Palas de Rei empfing dann die Dorfkirche die Pilger mit einem extra Pilgerangebot. Es lagen Bibelstellen als Impuls in unterschiedlichen Sprachen bereit.
Zeltlager am morgen

Tägliches Ritual für die Camino-Pilger: Zelte ab- und aufbauen

Pfarrkirche von Palas de Rei: Parroquia de San Tirso de Palas de Rei
Hauptstraße in Palas de Rei
Tag 9: Palas de Rei – Arzua

Bei 11°C ging es auf den zweiten Abschnitt mit einer Anforderung von 30 km auf der Tour. Das Laufen war geprägt vom Wunsch, anzukommen und es geschafft zu haben. Alle, die gestartet sind, sind auch angekommen, auch wenn es auf der hügeligen Strecke und mit diversen kleinen Verletzungspausen an die zehn Stunden dauerte. Allerdings steht auch fest, die kommenden Etappen bis zum Ziel sind lediglich 19 und 18 km lang und daher gut zu bewältigen. Ein Highlight war, dass sich einige in Melide, einer Stadt auf der Hälfte des Weges, Churros (spanische Gebäckspezialität) als Wegproviant gönnen konnten.

Eine Impulswand am Camino – immer wieder gibt es kleine Zeichen der Unterstützung und Ermunterung  für die Pilger

Weg aus Melide
Steinig und schwer … waren längere Abschnitte dieser Etappe des Jakobswegs
Hier wartet die Pilgergruppe bei Limo und Keksen auf dem Bordstein darauf, dass die anderen Gruppenmitglieder ankommen und sie sammeln Energie, um das Gepäck zur Herberge zu bringen

Tag 10: Arzua – O Preduzo

Heute, Montag, 30.7., ging es für die Pilgergruppe ausnahmsweise erst um 7 Uhr los, da die Strecke nur 19 km lang war und somit gesichert war, dass alle zu Mittag die Herberge erreichen. An anderen Tagen starten die Pilger aus RE früher – zum Einen um längere Strecken zu schaffen, zum Anderen um der spanischen Mittagshitze zu entgehen. Durch den Regen ging es dann nach O Preduzo. Ab morgen soll das Wetter dann zum Glück wieder besser werden. Es wirkt fast ungewohnt, bald da zu sein und gleichzeitig sind alles froh das Ziel in Reichweite zu haben. Alle sind gespannt wie es sein wird, in Santiago de Compostela drei Nächte am Stück in einem Bett zu schlafen.

Auf dem Camino durch Galizien

Bars und Biergärten laden fußmüde Pilger zum Verweilen ein …
… und erst nach 20 km zu Fuß schmeckt ein Feierabendbier oder ein Glas Rotwein so richtig gut.
Flaschenpost: auf diesen Bierflaschen haben Pilger Nachrichten und Erinnerungen hinterlassen
Ein Leben nach dem Camino: alte Wanderschuhe erzählen vom Pilgerweg
Es geht voran – die letzten Kilometer sind in Sicht

Tag 11: O Preduzo – Santiago de Compostela

Die letzten 18 km vergingen wie im Flug. Pünktlich zur Pilgermesse um 12.00 Uhr waren alle in Santiago de Compostela mit der Jakobus-Kathedrale angekommen. Das Highlight war natürlich das 1,50m hohe Weihrauchfass, das in der Messe durch die Kathedrale geschwungen wurde. Danach haben die Pilger ihre Urkunden, die Compostela abgeholt. Anschließend wurde das erste und letzte Mal auf dieser Tour ein Bett mit Bettdecke für mehr als einen Tag bezogen. Abends wurde dann mal nicht gekocht, sondern zur Feier der erfolgreichen Ankunft ging es Pizza essen.

Tag 12: Santiago de Compostela

Das Touristenprogramm stand im Mittelpunkt des 12. Tages. Nachdem erstmal ausgeschlafen wurde (unterwegs starteten die Pilger meist zwischen 6 und 7 Uhr morgens) gab es ein festliches Frühstück mit Croissants vom Markt. Danach ging es in die Stadt: Souvenirs shoppen, Churros essen, die Kathedrale in Ruhe besuchen und die Jakobusfigur umarmen bzw. die Reliquien bestaunen. Und das bei besten Wetter. Es scheint als belohne das galizische Wetter die Mühen der Pilger endlich mit satter spanischer Sonne.

Das ersehnte Ziel: die Kathedrale von Santiago de Compostela

In der Kathedrale: Blick von der Südseite auf den Altarraum
Das Hostel „Seminario Menor“ am Stadtrand im Abendlicht
Blick vom Hostel auf die Stadt im Abend- …
… und Morgenlicht

Tag 13: Finisterra – am Ende der Welt

Die Recklinghäuser Pilger konnten nach ihrer viele hundert Kilometer langen Wanderschaft ein weiteres Mal ausschlafen. Danach ging es  zum „Ende der Welt“, dem Kap Fisterra. Mit dem Auto raus aus Santiago, ließen sich zwei Leute aus der Gruppe früher absetzen, um am Atlantik herumzuwandern. Der Rest fuhr weiter zum Leuchtturm und machte Fotos und Selfies bis die Finger wund wurden. Danach ging es zum Strand, ans Meer und die Sonne genießen.

Strand von Fisterra – next stop: America

Leuchtturm von Fisterra

 

Blick in die Bucht

Tag 14: Burgos – auf dem Rückweg

Heute konnten die Pilger nicht ausschlafen. Kurz nach acht ging es auf die Autobahn 522 km von Santiago zurück nach Burgos. Hier wird die Rückfahrt zum Sightseeing unterbrochen. Auf diese Weise wird die Rückfahrt am Samstag nicht ganz so lang . Burgos liegt am Jakobsweg (wurde aber an Tag 3 übersprungen) und ist sehr sehenswert. Die Stadt gehört mit ihrer Kathedrale zum Weltkulturerbe und zählt zu den sehenswerten Spots entlang des Camino. Ein Highlight auf der Fahrt, bei der der Pfarreibulli zur Sauna mutierte, war der tanzende Techno-Tankwart in Astorga.

Früher Aufbruch und das Spiel von morgendlicher Sonne und Nebel in Galizien
Hauptplatz von Burgos mit der Seitenansicht der Kathedrale

Am Ufer: das Stadttor von Burgos zieht die Besucher in die Altstadt
Der Rio Arlanzon schlängelt sich durch die Stadt

Tag 15: Granon – Recklinghausen. Der letzte Bericht

Nach der Besichtigung von Burgos ging es dann in die letzte Unterkunft in Granon. Das Hostel, im Umbau faszinierte durch eine Mischung aus modernen Bädern und abblätterner Farbe in den Schlafräumen. Ausserdem beherberget es Dauergäste, die Famile der Herbergsbesitzer und Pilger. In Granon konnte noch einmal entspannt und sorteriert werden bevor es auch die lange Fahrt in die Realität ging. In 19 Stunden ging es wieder durch die Nacht nach Recklinghausen.  Die Jakobsweg-Tour 2018 ist damit beendet, aber die Geschichten werden wohl noch lange in den Köpfen der Pilger bleiben.

Als letztes sollen Dankeswort stehen:

Großen Dank an Elisabeth Beckmann, die ihr privates Auto zur Verfügung gestellt hat. Ohne wäre die Fahrt in dieser Form nicht Zustande gekommen.

Einiges Material wurde an unterschiedlichen stellen ausgeliehen, daher danke an das Materiallager Liebfrauen, das Sauerlandlager, die Messdiener Liebfrauen und Matthias Kirchhoff.

Danke auch an Torsten Ferge der die Endredaktion und das Layout der Berichte aus Deutschland erarbeitete.

Gefördert wurde die Fahrt durch die Jugendstiftung Weitblick, die Stiftung Liebfrauen und dem Bistum Münster.

Das Dorf Granon von der Herberge aus.
Ein Panorama über die Region „La Rioja“
Das Hostel in Garnon

 

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